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Conference schedule “The digitalization of the social and the socializing of the digital”

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Call for Papers: The digitalization of the social and the socializing of the digital

International Conference at the University of Lausanne, Switzerland, June 7th & 8th, 2012

The “social” as a unique issue – distinct from the state, politics, law or culture – was the central concept around which the new discipline of the social sciences has been formed. For Durkheim, for instance, the social constitutes the space of relations between individuals that is irreducible to the sum of these. For others, the social is based on association (from socius: companion, associate). It therefore contains all that is likely to associate, including the connections and interactions that can engage humans and nonhumans, subjects and technical objects. It is the study of the social and the exploration of its various forms that was (and still is) the basic project that constitutes the social sciences.

For more than a decade, much has been written about the so-called “digital revolution”. Today, information and communication technology is present in most areas of social activity. As a result, digital mediation pervades almost all social relations. Administration, education, culture, friendship, love – in all these different practices, digital interfaces play a crucial role, although it is sometimes not completely clear how and to which extend. According to several analysts, the rise of digital interfaces has given birth to new modes of relations – particularly in the field of emotional relationships where the growing digitalization seems to generate significant changes at present.

But how does this digital revolution affect the constitution of the social? How can we conceptualize the social in the digital age? Is digital media a new basis for association and the constitution of the social? And if so, does this raise the classic question of the social sciences concerning the very “nature” of the social in a new way? In recent years, rich and extensive work has been devoted to these questions. In reviewing these works, to main axes seem to appear: the digitalization of the social and the socializing of the digital.
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Liebe ist, wenn’s passt? Online Dating und die Ideologie des perfect match


„Liebe ist, wenn’s passt!“ – mit diesem Slogan wirbt die Online Partnervermittlungsagentur Parship schon seit längerem für Ihre Dienste. Aber auch andere Anbieter verkünden gerne und häufig, dass erst eine optimale Passung der Persönlichkeit der Partnerinnen und Partner eine langfristig glückliche und erfüllte Beziehung garantieren könne. Und das Internet soll genau diese Passung optimieren – durch die Kombination aus einer schier unerschöpflichen Auswahl mit einer höchst zielgenauen Suche.
In der Praxis erfüllt sich dieses Heilsversprechen des Online Dating allerdings oft nicht – wie mir in zahlreichen Interviews mit Nutzerinnen und Nutzern immer wieder berichtet wird. Obwohl alle Daten passen, alle Persönlichkeitseigenschaften auf Kompatibilität geprüft und alle ‚no-goes‘ des Beziehungsalltags sorgfältig ausgeschlossen wurden, springt der Funke einfach nicht über. Man harmoniert zwar irgendwie und versteht sich gut, aber Liebe wird trotzdem nicht daraus.
Nun könnte es natürlich sein, dass die Matchingverfahren im Internet schlicht noch nicht ausgereift genug sind, dass man noch mehr Persönlichkeitseigenschaften vergleichen müsste, noch exaktere Daten erheben, noch feiner filtern… Aber vielleicht sollten diese Erfahrungen ja auch Anlass geben, die Ideologie der Passung einmal grundsätzlicher zu hinterfragen.

Gestatten: Mr./Mrs. Right

Tatsächlich ist diese Ideologie nicht ganz neu. Wir kennen den Topos des ‚einzig Richtigen‘ oder der ‚füreinander bestimmten Seelen‘ etwa aus der romantischen Literatur, aus unzähligen Filmen, Liebesliedern usw. Auch hier geht es um eine Art von Passung. Nur ist es in der klassischen Erzählung eben das Schicksal, das die Personen zusammenführt, und nicht ein Computeralgorithmus, der Daten aggregiert, vergleicht und daraus den perfekten Match berechnet. Nun wissen wir alle, dass das Schicksal höchst unzuverlässig sein kann. Warum also nicht mit modernen Technologien etwas nachhelfen?
Ich will hier den romantischen Glauben an die Schicksalshaftigkeit der Liebe nicht allzu sehr verteidigen. Aber an einem Punkt lässt sich daraus vielleicht doch etwas Wichtiges lernen: In der Idee der Schicksalshaftigkeit kommt u.a. auch die Erfahrung zum Ausdruck, dass die Liebe manchmal gerade dorthin fällt, wo man es am wenigsten erwartet. Eine neue Liebe ist oft überraschend, unerwartet und kann das eigene Weltbild sehr grundlegend verändern. Dagegen wird eine Person, die ich durch rationale Suchstrategien und Matchingverfahren finde, bestenfalls genau meinen vorab definierten Erwartungen entsprechen – mehr aber eben auch nicht.
Nun gibt es jedoch gute Gründe anzunehmen, dass gerade das Unerwartete und Überraschende konstitutiv zur Liebe dazugehört. Genau deshalb, so würde ich behaupten, müssen Strategien der Passung, die dieses Unerwartete zu vermeiden suchen, systematisch scheitern.
Das ist eine starke Behauptung, die sich nicht nur gegen aktuelle Matchingstrategien im Netz, sondern auch gegen viele Selbstverständlichkeiten richtet, die heute etwa in Beziehungsratgebern oder Partnerschaftskolumnen verkündet werden. Woher aber kommt diese breite Zustimmung für die Ideologie der Passung?
Meines Erachtens hat sie eng mit dem Bedeutungszuwachs des Wunsches nach Selbstverwirklichung zu tun. Liebe und Partnerschaft gelten seit Anbeginn der modernen Gesellschaft – und ganz besonders nochmals seit den kulturellen Umbrüchen im Gefolge der sogenannten „68er“ – als zentrale Orte der individuellen Selbstverwirklichung. Und genau deshalb wünschen sich so viele eine ‚passende‘ Beziehung, in der die Partnerin möglichst in allen Dimensionen ihrer Persönlichkeit mit der eigenen kompatibel sein soll.

„Man selbst sein im Anderen“

Allerdings basiert diese Vorstellung auf einem sehr spezifischen Verständnis von Selbstverwirklichung, das man nicht teilen muss. Dieses Verständnis begreift Selbstverwirklichung im Kern als ein rein individuelles Projekt. Der oder die Andere spielt dabei nur insofern eine Rolle, als dass sie möglichst gut zu diesem individuellen Projekt passen muss, damit sie mich in meiner eigenen Selbstverwirklichung nicht stört sondern bestenfalls unterstützt.
Dem lässt sich ein Verständnis gegenüberstellen, dass in dem und der Anderen nicht nur eine mögliche Unterstützung, sondern viel tiefgreifender eine unhintergehbare Bedingung der eigenen Selbstverwirklichung sieht. Die Hegelsche Bestimmung der Liebe als ein „man selbst sein im Anderen“ charakterisiert dieses Verständnis sehr treffend. Aber man könnte hier auch mit George Herbert Mead oder anderen Vertreterinnen und Vertretern einer intersubjektiven Theorie des Selbst argumentieren.
Grundlegend für ein solches Verständnis ist – einfach gesagt – die Einsicht, dass ein Subjekt erst durch die Konfrontation mit einem Gegenüber zu dem wird, was es selbst ist. Gerade die intime Begegnung mit einem anderen Menschen in einer Liebesbeziehung bildet für diesen Prozess der Herausbildung und stetigen Umgestaltung des Selbst einen wichtigen Katalysator. Jede dieser intimen Begegnungen verändert unser Selbst, lässt uns neue Seiten an uns entdecken, ermöglicht uns eine andere Sicht auf das, was wir sind.
In der Konsequenz ist die Vorstellung vollkommen absurd, wir hätten so etwas wie ein ‚fertiges‘ Selbst, dass sich dann die ‚passende‘ Beziehung suchen könne, um sich darin zu verwirklichen. Dieses Selbst gibt es nicht, oder zumindest nicht als eine statische Größe. Es bildet und wandelt sich fortlaufendend in den sozialen Beziehungen, in die es eingebunden ist – auch und gerade in Liebesbeziehungen. Wenn es aber dieses Selbst nicht gibt, dann kann es auch kein Suchformular oder keinen Persönlichkeitstest auf einer Online Dating Seite ausfüllen, der dann einen idealen Partner oder eine ideale Partnerin auswerfen würde.

Wo alles zu gut passt, da wird es langweilig. Es fehlt genau das, was unserem modernen Verständnis nach die Liebe so aufregend macht: Die Möglichkeit nämlich, sich in der intensiven Auseinandersetzung mit einem Gegenüber immer auch selbst ein Stück weit neu zu entwerfen. Nicht, dass das Internet dafür keinen Raum bieten würde, im Gegenteil. Aber dieser Raum entsteht eben eher dort, wo nicht durch die Suche nach optimierter Passung bereits im Vorfeld alles Unerwartbare ausgeschlossen wurde.

(Dieser Überlegungen basieren auf einen Vortrag, den ich jüngst auf der Tagung „Paare und Ungleichheit(en) – Eine Verhältnisbestimmung“ am WZB in Berlin gehalten habe.)

Zwischen den Welten – soziale Ungleichheit in und aus dem Netz

Mitte März hat in Frankfurt eine Tagung zum Thema „Ungleichheit aus kommunikations- und mediensoziologischer Perspektive“ stattgefunden. Auch ich war hier mit einem Vortrag vertreten. Dem Organisator Christian Stegbauer sei Dank, dass er dieses wichtige Thema aufgegriffen hat. Gerade was das Internet betrifft, so hoffen immer noch viele auf die Entstehung eines demokratischen, ja egalitären Kommunikationsraumes, in dem klassische Formen von sozialer Ungleichheit und Benachteiligung eine geringere Rolle spielen würden als außerhalb des Netzes.
Zumindest im Hinblick auf Online Dating vertrete ich hier eine dezidierte Gegenthese. Die Sites betreiben einen hohen Aufwand, um in ihren Suchoptionen, Profilvorgaben etc. die sozialen Ungleichheitsrelationen aus der Offline-Welt in das Medium Internet zu übersetzen und hier zur Geltung zu bringen. Das betrifft klassische sozioökonomische Unterscheidungsmerkmale wie Einkommen und Bildung ebenso wie die „feinen Unterschiede“ in den subkulturellen Differenzierungen des Lebensstils; es betrifft Fragen der tugendhaften Lebensführung ebenso wie die Selbstklassifizierung nach stereotypisierten Körperbildern.
Im Ergebnis entsteht ein soziales Setting der Beziehungsanbahnung, in dem man sich wie in kaum einem anderen Zusammenhang vorab über die ungleichheitsrelevanten Merkmale einer Person informieren kann – und dies lange bevor man eine einzige Zeile im Chat oder per Email ausgetauscht hat.

Mehr dazu im Volltext des Vortrages (PDF)

weitere Info: Tagungsprogramm

Programm Workshop steht

Pardon für die lange Blogabstinenz, dazu am Ende etwas mehr.
Doch zunächst nochmals zum Workshop „Personale Identität im Zeitalter des digitalen Selbst“ auf dem diesjährigen Kongress der SGS in Genf. Wir haben sehr interessante Vorschläge bekommen und konnten den Workshop daher auf zwei Sessionen ausdehnen. Inzwischen sind auch die genauen Zeiten festgelegt (s.u.). Natürlich freut es mich besonders, dass das Thema Online Dating breit vertreten ist. Ich bin gespannt auf interessante Diskussionen.
Hier das endgültige Program:

W13 | L’identité personnelle à l’heure du « soi digital » – Personale Identität im Zeitalter des „digitalen Selbst“

Organisation/Moderation: Olivier Voirol & Kai Dröge (Université de Lausanne)

Session 1 l Mittwoch, 9. September 2009 l 14:45 – 16:15 Uhr l MR040
1 l Achim Brosziewski l Wieviel Körper verträgt die digitalisierte Person? Systemtheoretische Thesen zur Strukturbildung im Medium der Digitalität
2 l Kai Dröge l Romantische Unternehmer im Netz ‐ von widersprüchlichen Identitätsangeboten im Feld des Online‐Dating
3 l Susann Wagner l Kommunikation in internetbasierten Partnerbörsen ‐ Vom Suchen (und Finden) der Liebe im Netz. Eine empirische Untersuchung am Beispiel der Partnerbörse FriendScout24

Session 2 l Mittwoch, 9 September 2009 l 16:45 – 18:15 Uhr l MR040
1 l Amaranta Cecchini l Ajustements identitaires dans les relations amoureuses sur internet
2 l Sami Coll l Y a‐t‐il une sphère privée pour le ‘Soi digital’ ? La volonté de savoir et la gestion de l’intimité
3 l David L.J. Gerber l Jeu en ligne et enjeu de la nationalité. La construction identitaire des joueurs et groupes de joueurs

Was bisher geschah…

Für mich persönlich war die letzte Zeit recht turbulent. Vor zwei Wochen hatte ich meine Disputation. Das Projekt Promotion ist damit nun glücklich abgeschlossen – bis auf die Publikation, über die ich mir in den nächsten Monaten Gedanken machen muss. Das Semester an der hsw Luzern, wo ich als Dozent für empirische Methoden tätig bin, ist auch gut zu Ende gegangen.
Schließlich habe ich auch einige Zeit mit der Organisation von Interviews im Online-Dating-Projekt verbracht. Nach gewissen Startschwierigkeiten konnte ich mittlerweile interessante Kontakte knüpfen – dank der tatkräftigen Unterstützung Schweizer Kolleginnen und Kollegen. In der nächsten Zeit wird die Forschung mehr im Mittelpunkt stehen; dann gibt es auch hier im Blog wieder etwas zu berichten. Aber zuvor verbringe ich noch zwei Wochen auf Gozo – Sonnenbaden, Schnorcheln und den Promotionsstress abspülen.
Ich wünsche allen einen schönen Sommer,
Kai

Workshop “Personal Identity in the Age of the Digital Self”

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Körperwissen

body: von Sam UL auf flickrAm 5./6. März war ich in Landau (Pfalz) auf einer Tagung zum Thema „Körperwissen“, veranstaltet von den Sektionen Wissenssoziologie und Soziologie des Körpers und des Sports der DGS. Sehr inspirierend für das Thema unseres Projektes. Denn am Beispiel Online Dating lässt sich gut beobachten, wie wichtig der Körper für soziale Interaktionen ist – gerade weil er (zunächst) abwesend ist. Continue reading ‘Körperwissen’




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