Mitte März hat in Frankfurt eine Tagung zum Thema „Ungleichheit aus kommunikations- und mediensoziologischer Perspektive“ stattgefunden. Auch ich war hier mit einem Vortrag vertreten. Dem Organisator Christian Stegbauer sei Dank, dass er dieses wichtige Thema aufgegriffen hat. Gerade was das Internet betrifft, so hoffen immer noch viele auf die Entstehung eines demokratischen, ja egalitären Kommunikationsraumes, in dem klassische Formen von sozialer Ungleichheit und Benachteiligung eine geringere Rolle spielen würden als außerhalb des Netzes.
Zumindest im Hinblick auf Online Dating vertrete ich hier eine dezidierte Gegenthese. Die Sites betreiben einen hohen Aufwand, um in ihren Suchoptionen, Profilvorgaben etc. die sozialen Ungleichheitsrelationen aus der Offline-Welt in das Medium Internet zu übersetzen und hier zur Geltung zu bringen. Das betrifft klassische sozioökonomische Unterscheidungsmerkmale wie Einkommen und Bildung ebenso wie die „feinen Unterschiede“ in den subkulturellen Differenzierungen des Lebensstils; es betrifft Fragen der tugendhaften Lebensführung ebenso wie die Selbstklassifizierung nach stereotypisierten Körperbildern.
Im Ergebnis entsteht ein soziales Setting der Beziehungsanbahnung, in dem man sich wie in kaum einem anderen Zusammenhang vorab über die ungleichheitsrelevanten Merkmale einer Person informieren kann – und dies lange bevor man eine einzige Zeile im Chat oder per Email ausgetauscht hat.
Mehr dazu im Volltext des Vortrages (PDF)
weitere Info: Tagungsprogramm
Pardon für die lange Blogabstinenz, dazu am Ende etwas mehr.
Doch zunächst nochmals zum Workshop „Personale Identität im Zeitalter des digitalen Selbst“ auf dem diesjährigen Kongress der SGS in Genf. Wir haben sehr interessante Vorschläge bekommen und konnten den Workshop daher auf zwei Sessionen ausdehnen. Inzwischen sind auch die genauen Zeiten festgelegt (s.u.). Natürlich freut es mich besonders, dass das Thema Online Dating breit vertreten ist. Ich bin gespannt auf interessante Diskussionen.
Hier das endgültige Program:
W13 | L’identité personnelle à l’heure du « soi digital » – Personale Identität im Zeitalter des „digitalen Selbst“
Organisation/Moderation: Olivier Voirol & Kai Dröge (Université de Lausanne)
Session 1 l Mittwoch, 9. September 2009 l 14:45 – 16:15 Uhr l MR040
1 l Achim Brosziewski l Wieviel Körper verträgt die digitalisierte Person? Systemtheoretische Thesen zur Strukturbildung im Medium der Digitalität
2 l Kai Dröge l Romantische Unternehmer im Netz ‐ von widersprüchlichen Identitätsangeboten im Feld des Online‐Dating
3 l Susann Wagner l Kommunikation in internetbasierten Partnerbörsen ‐ Vom Suchen (und Finden) der Liebe im Netz. Eine empirische Untersuchung am Beispiel der Partnerbörse FriendScout24
Session 2 l Mittwoch, 9 September 2009 l 16:45 – 18:15 Uhr l MR040
1 l Amaranta Cecchini l Ajustements identitaires dans les relations amoureuses sur internet
2 l Sami Coll l Y a‐t‐il une sphère privée pour le ‘Soi digital’ ? La volonté de savoir et la gestion de l’intimité
3 l David L.J. Gerber l Jeu en ligne et enjeu de la nationalité. La construction identitaire des joueurs et groupes de joueurs
Was bisher geschah…
Für mich persönlich war die letzte Zeit recht turbulent. Vor zwei Wochen hatte ich meine Disputation. Das Projekt Promotion ist damit nun glücklich abgeschlossen – bis auf die Publikation, über die ich mir in den nächsten Monaten Gedanken machen muss. Das Semester an der hsw Luzern, wo ich als Dozent für empirische Methoden tätig bin, ist auch gut zu Ende gegangen.
Schließlich habe ich auch einige Zeit mit der Organisation von Interviews im Online-Dating-Projekt verbracht. Nach gewissen Startschwierigkeiten konnte ich mittlerweile interessante Kontakte knüpfen – dank der tatkräftigen Unterstützung Schweizer Kolleginnen und Kollegen. In der nächsten Zeit wird die Forschung mehr im Mittelpunkt stehen; dann gibt es auch hier im Blog wieder etwas zu berichten. Aber zuvor verbringe ich noch zwei Wochen auf Gozo – Sonnenbaden, Schnorcheln und den Promotionsstress abspülen.
Ich wünsche allen einen schönen Sommer,
Kai
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Wer ist das, der “romantische Unternehmer”, diese seltsame Figur, die diesem Blog seinen Namen gegeben hat? Seit wann sind denn Unternehmerinnen Romantikerinnen oder Romantiker Unternehmer?
Nun – natürlich ist das ein eher metaphorisches Bild. Diese Figur verkörpert eine Spannung zwischen zwei antagonistischen Logiken, die für das Feld des Online Dating charakteristisch ist: die Spannung zwischen ökonomischer Rationalität, Selbstvermarktung und Konsumismus auf der einen Seite und Intimität, Emotionalität und romantischer Liebe auf der anderen Seite.
Continue reading ‘The Romantic Entrepreneur oder: Wie liebt das unternehmerische Selbst?’
…gibt es das? Vielleicht.
Eigentlich absurd, schließlich ist der erste Blogeintrag vermutlich einer der am wenigsten gelesenen überhaupt. Noch hat dieser Blog keine Leserinnen oder Leser. Sollte sich das einmal ändern, dann wird wohl kaum jemand mit dem ersten Post beginnen wie mit dem Vorwort in einem Buch.
Continue reading ‘Die Angst vor dem leeren Blog…’
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